Jun 222011
 

Das ist die Masche der Politiker, ein alter Trick: Ängste schüren. Hat man ganz gut bei der Atompolitik, dem „Atomunfall“ (der ja nur ein Tsunami war) in Japan und den daraus resultierenden Wahlergebnissen bei den Landtagswahlen BaWü erkennen können. Obwohl die geschürten Ängste zum allergrößten Teil unbegründet sind, fällt der deutsche Wahlmichel aber immer wieder drauf rein.

Auch zum Thema Waffenbesitz bemüht man sich des alten Tricks, die Medien sind dankbare Abnehmer der Informationen und verbreiten sie weiter.

Jüngster Erguss von heute: „In Deutschland fehlt ein Waffenzentralregister“ (Nur ein Beispiel von vielen, bitte googeln Sie)

Diese Situation stellt die Polizei immer wieder vor Probleme. „Wenn wir zum Beispiel zu einem Einsatz mit Familienstreitigkeiten fahren, erhalten wir keine Vorwarnung, ob eventuell im Haushalt Waffen vorhanden sind“, schildert Bernhard Witthaut, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, den Alltag seiner Kollegen. Dadurch können sie unvorbereitet in Familiendramen oder Gefahrensituationen mit Schusswechseln geraten. Außerdem stellt die Lagerung der Waffen die Beamten oft vor Probleme, denn nach geltendem Recht müssen Schusswaffen getrennt von jeder Munition weggeschlossen werden.

Als ob es jemals echte Probleme von Polizisten mit legal waffenbesitzenden Streithanseln gegeben hätte. Es mag sein, daß es mal öfters Schwierigkeiten mit illegalen Waffen und nichtautochthonen Menschen gab, mir fällt aber gerade kein einziger Fall ein, bei dem ein legaler Waffenbesitzer mit seiner legalen Waffe auf Streifenpolizisten geschossen hätte. Und was die Polizei mit der Lagerung von Waffen zu tun hat, erschließt sich mir jetzt gerade auch nicht.

 „Stichproben von Ordnungsämtern und Polizei haben in der Vergangenheit allerdings ergeben, dass nur die Hälfte aller legalen Waffen an geeigneten Plätzen untergebracht waren. Meist lagen sie ungeschützt auf oder in Kleiderschränken.

Ein immer wieder gern gebrachtes Argument, das durch ständiges Wiederholen auch nicht wahrer wird. Wenn man nur und ausschließlich die „speziellen Kandidaten“ (bei denen man aus Erfahrungen der Vergangenheit Verstöße vermuten kann) besucht, kann das schon sein, daß die Hälfte davon nicht korrekt aufbewahrt. Dies betrifft in der Regel recht bejahrte Altbesitzer und Erben. Noch nicht mal 5% aller Waffenbesitzer. Die bekamen aber auch von niemandem die nötigen Informationen! Keiner hat denen gesagt, daß die Waffen seit einigen Jahren in zertifizierten Schränken aufbewahrt werden müssen, daß der abgeschlossene Schrank im Flur nicht mehr ausreicht, obwohl jahrzehntelang kein Anlaß bestand dies zu ändern. Die Aussage mit „der Hälfte“ ist eine bewußte Desinformation durch weglassen wesentlicher Fakten.

So legte die Deutsche Schießsportunion Bechwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Diese wurde zwar nicht zugelassen, die Pläne der Politik, die Aufbewahrung der Waffen mit unangekündigten Hauskontrollen zu überwachen, mussten aber immerhin als „rechtlich bedenklich“ zurückgezogen werden.

Na sowas, davon wußte ich ja gar nichts? Die Kontrolleure sind illegalerweise unterwegs? Die dürfen gar nicht unangekündigt kommen? Wow. Das ist Qualitätsjournalismus. Irgendwas schreiben ohne zu recherchieren. Wie bei der Bildzeitung. Herr Dick hätte vorher mal das Waffengesetz studieren sollen, wäre wohl besser gewesen. Jetzt hat er sich endgültig als ernstzunehmender Journalist disqualifiziert. Seit 2009 steht das mit den unangekündigten Kontrollen nämlich im Gesetz, das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung wird dafür sogar aufgehoben.

Alle Versuche, ein generelles Waffenverbot für Privatleute einzuführen, sind in Deutschland gescheitert. Selbst die schärfsten Kritiker der „privaten Ballerei“ mussten einräumen, dass ein Waffenverbot kaum Straftaten verhindert. Tatsächlich werden bei 60 Prozent aller Gewaltdelikte Revolver, Pistolen oder Gewehre verwendet. Aber nur knapp drei Prozent der dafür benutzten Waffen stammten aus legalem, registrierten Besitz.“

Wie Herr Dick von der Deutschen Welle zu diesen Zahlen kommt ist mir schleierhaft.Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2010 sagt jedenfalls etwas komplett anderes:

Der seit 2003 rückläufige Trend bei der Verwendung von Schusswaffen hat sich nach gegenläufiger Entwicklung 2009 im Jahr 2010 wieder fortgesetzt. Während im Jahr 2009 in 7.142 Fällen mit einer Schusswaffe gedroht wurde, waren es im Jahr 2010 nur noch 6.623 Fälle, was einem Rückgang von 7,3 Prozent entspricht. In 5.553 Fällen wurde mit der Waffe geschossen (2009: in 5.913 Fällen). Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung nahm die Zahl der Fälle, in denen geschossen wurde, gegenüber dem Vorjahr um 15,2 Prozent auf 931 Fälle ab, bei Raubüberfällen hingegen um 6,7 Prozent auf 160 Fälle zu. Die Zahl der Raubüberfälle, bei denen mit einer Schusswaffe gedroht wurde, nahm gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent auf 3.773 Fälle ab.“

Und weiter:

Der im Jahr 2009 festgestellte Rückgang der Gewaltkriminalität hat sich auch im aktuellen Berichtsjahr fortgesetzt. Die Anzahl der registrierten Delikte ging um 3,5 Prozent auf insgesamt 201.243 Fälle zurück.

Wir haben also 201.243 Gewaltdelikte. Wäre tatsächlich in 60% der Fälle eine Schußwaffe im Spiel gewesen, wären das 120.746 Straftaten mit Schußwaffen. Wären. Wie wir ja sehen können, stimmt diese Zahl absolut nicht. Tatsächlich wurde nur 5.553 mal geschossen, dabei 931 Personen verletzt. Etwa 80 dürften getötet worden sein, genaue Zahlen habe ich noch nicht.

Sollte die Zahl „3% legale Waffen“ des Herrn Dick stimmen, würden etwa 167 mal legale Waffenbesitzer in Gewaltdelikte verwickelt gewesen sein, mit einer statistischen Opferzahl von 2,4. Wie bitte? 167 mal? Auch ein bischen viel. Die Opferzahl kommt aber hin. Das deckt sich mit meinen Zahlen: Tote.

Wieso Herr Dick hier mit falschen Zahlen argumentiert? Keine Ahnung. Entweder wurde er falsch informiert (von wem?) oder er wollte falsch informieren. Oder er ist einfach nur ein unfähiger Journalist, was ich jetzt aber nicht recht glauben will.

Sie sehen aber, liebe Leser, die Öffentlichkeit wird hier (wieder mal) bewußt belogen, Ängste vor legalen Waffenbesitzern geschürt. Wer geht denn schon her und überprüft die Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt? (Fast) Keiner. Michel Normalleser konsumiert die Meldung und glaubt sie. Und schon wieder werden die legalen Waffenbesitzer in die Schmuddelecke gerückt, als potentielle „Gewalttäter“ und „Gesetzesverstoßer“ gebrandmarkt.

Sollen wir uns das gefallen lassen? NEIN! Wir haben eine Waffenrechtsorganisation mit Alleinvertretungsanspruch, das FWR. Die behaupten von sich, im Sinne aller Waffenbesitzer, solche Aktionen wie die der Deutschen Welle (oder hier, oder hier, oder hier, oder hier) zu bekämpfen. Beispiel gefällig?

Kampf dem Vorurteil: Die größte Gefahr für den legalen Waffenbesitz liegt darin, daß in unserer Gesellschaft bei der Diskussion über das Thema „Schußwaffen“ keine Sachargumente, sondern ideologische Grundhaltungen und irrationale Ängste das Meinungsbild breiter Bevölkerungsschichten bestimmen. Gründe für den herrschenden „Zeitgeist“ liegen ganz wesentlich in dem mangelhaften Kenntnisstand der Gesellschaft über die Fakten und wirklichen Zusammenhänge im Bereich des legalen Waffenbesitzes. Die Meinung der Öffentlichkeit wird mehr als je zuvor durch die Medien – nicht zuletzt durch die dortige massive Gewaltdarstellung – geprägt. Das meiste Wissen über die Realitäten des legalen Waffenbesitzes kann man jedoch nirgends abrufen, es muß erst erarbeitet werden und erfordert daher den Aufbau und die Pflege fundierter Strukturen. Als nächsten Schritt gilt es, die Ergebnisse auch professionell darzustellen. Der legale Waffenbesitzer – völlig egal, ob Jäger, Sportschütze oder Sammler – muß ein Gesicht haben, er darf nicht länger zur Karikatur gemacht werden, er muß die langfristige Akzeptanz der Gesellschaft gewinnen.

Öffentlichkeitsarbeit: Die Beobachtung der Medien und unmittelbare Reaktion auf falsche und unsinnige Berichterstattung gehören mit hohem Stellenwert zum Tätigkeitsfeld des Forum Waffenrecht. Es ist unabdingbar für den legalen Waffenbesitz, die öffentliche Diskussion und den Blick der Medien für die Fakten zu schärfen. Alle Zahlen und Statistiken, seien es die nationalen Zahlen des BKA oder die offiziellen internationalen Statistiken der Vereinten Nationen, sprechen eindeutig für uns! Ohne sachliche, ja wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema und ohne öffentliche Diskussion der Ergebnisse bleibt die von allen Fachleuten geteilte Erkenntnis „Der legale Waffenbesitz birgt für den Rechtsstaat keine Gefahr!“ politisch bedeutungsloses „Insider-Wissen“. Wir müssen diese Erkenntnis öffentlich machen, um ein differenzierteres und problemorientiertes Meinungsbild in der Bevölkerung und bei den politischen Entscheidungsträgern herbeiführen. Das Forum Waffenrecht steht für den konstruktiven Dialog.“

Also dann mal los, liebes FWR! Ich und meine Mitstreiter haben zwar bei unserem Kampf gegen die Medien noch nie etwas von Ihnen bemerkt da draußen, aber jetzt haben Sie die Gelegenheit dazu. Wo bleiben Ihre Gegendarstellungen, die Pressemitteilungen, die Anzeigen beim Presserat, die Öffentlichkeitsarbeit, die Leserbriefe, die Informationen für die betroffenen Waffenbesitzer? Nichts zu sehen und zu hören, noch nichtmal „Piep“. Wir machen die Arbeit, für die Sie bezahlt werden! Schön und bequem für Sie, nicht wahr?

Wenn es noch andere gibt, denen diese Situation unbefriedigend vorkommt, es gibt eine Lösung. Schreiben Sie doch einfach das FWR an und fordern nachdrücklich die Ihnen zustehende Unterstützung! Anscheinend kam nämlich in letzter Zeit noch zuwenig Post dort an. Oder der Schlaf des Gerechten ist zu tief. Also, auf geht’s, Briefe schreiben! E-mails tun’s auch. In diesem Zuge könnte man ja auch gleich fragen, ob das FWR nicht doch endlich mal die Unterstützung von Pro-Legal annehmen will……. 🙂

Michael Kuhn 

  6 Responses to “So schüren die öffentlich-rechtlichen Medien Ängste vor Waffenbesitzern”

  1. Feedback an die DW ist raus. Ruhig und sachlich und mit dem Rat sich an Experten zu wenden.

  2. tja ich bin aus dem FWR ausgetreten,weil man von denen die ganze Zeit nichts hört ,die haben mir mit Empörung geantwortet dass Sie alles rechtlich mögliche für uns machen würden,aber wenn man auf deren Webseite sieht kann man nur Berichte über Aktionen lesen die bereits längere Zeit zurück liegen und das kann nicht im Sinne von uns legal Waffenbesitzern sein.
    meiner Ansicht ist der Mitgliedsbeitrag bei prolegal besser angelegt.ebenfalls
    stimme ich völlig mit Herrn Kuhn überein diese Medien-lügen mit allen demokratischen Mitteln zu bekämpfen und den unwissenden Bürger die an sich mit Waffen Jagd und Schießsport nichts zu tun haben über den legalen Waffenbesitz Jagd und Schießsport umfassend auf zu klären.

  3. ich habe ihnen auch was nettes geschrieben

  4. bis zum 31.12.2011 bin ich noch Mitglied beim FWR – dann nicht mehr.

    Armatix, spärlich tröpfelnde Infos etc. gaben mir zu Denken. Da war es nur folgerichtig, auszutreten. Es kam die Kündigungsbestätigung, doch noch nicht einmal weshalb wurde nachgefragt.

    Bei Pro-Legal bin ich nun schon ca. 1 Jahr Mitglied, da ich weis, dass dort mehr für uns Sportschützen getan wird, als anderswo.

    Sehr gerne lese ich den Blog von Michael Kuhn, denn das ist richtig flüssig geschrieben und die Infos sind beispielhaft!

    Leider gibt es eines:

    im Gespräch mit meinen Schützenschwestern u.- Brüdern stellt sich immer wieder heraus, dass man seitens der Politik (in Bezug auf unseren Sport) mehr als unzufrieden ist. Doch so richtig organisieren mag man sich dann doch nicht.

    Denn das kostet was – ja – z. Zt. 12.00 EUR/Jahr z.B. bei Pro-Legal.

    Schießt ein Schütze nur eine einzige DSB-Disziplin GK, so stecken in noch nicht einmal 30 Minuten mehr als ein Jahresbeitrag im Kugelfang.

    Von der Sportwaffe ganz zu schweigen – zwischen 1000 – 3000 EUR und mehr ist alles drin.

    Das möge man sich einmal überlegen. Wenn man sein Hobby schätzt, dann sollte man auch was dafür tun – meine Meinung.

    Also liebe Schützen – bitte mal darüber nachdenken und ggf. etwas in die richtige Richtung unternehmen.

    Wir haben unsere Waffen unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben über einen langen Zeitraum erworben, wir sind behördlich bekannt und unsere Teile sind registriert. Soll es so sein, dass das alles nichts mehr zählt?

    Unsere „Gutmenschen Politiker“ würden uns ja am liebsten sofort und Entschädigungslos enteignen wollen. Damit dies nicht (unwidersprochen) geschieht ist, ist unser aller Engagement ganz einfach notwendig.

    Bis dahin mit vielen Schützengrüßen

    Norbert

  5. Die Deutsche Welle ist kritikfähig:

    Die oben von Guntalk mit der PKS zu Recht angeprangerten Daten wurden in der aktuellen Fassung des Artikel geändert.

    Gestrichen wurde der Satz: „Tatsächlich werden bei 60 Prozent aller Gewaltdelikte Revolver, Pistolen oder Gewehre verwendet. Aber nur knapp drei Prozent der dafür benutzten Waffen stammten aus legalem, registrierten Besitz.”

    Ersetzt durch diesen: „Tatsächlich werden bei lediglich drei Prozent aller Gewaltdelikte in Deutschland Schusswaffen verwendet. Und die dabei benutzten Schusswaffen aus legalem, registrierten Besitz lagen sogar im Promillebereich. Trotzdem soll ein Zentralregister alle bundesweit erhältlichen Daten über Waffen bündeln und auf Knopfdruck für die Ermittlungsbehörden abrufbar machen“

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