Aug 132010
 

Kontrollaktion zur Waffenaufbewahrung hat gezeigt: Fast 90% der kontrollierten Waffenbesitzer verwahrten ihre Schusswaffen und Munition nicht ordnungsgemäß. Hauptzielgruppe der Kontrolle waren Erben und so genannte Altbesitzer.“ Diese Nachricht des Landratsamts München geht so oder so ähnlich zurzeit durch die Gazetten. Schlagzeile: „Gewehr in der Wäsche: Waffenbesitzer total sorglos„. Man beachte hierbei unbedingt den Seitentitel: „Erschreckend: 90% der Waffenbesitzer verstoßen gegen Regeln„! Die Presse -hier der Merkur-  hetzt ungeniert, will den Anschein erwecken, daß 90% der Waffenbesitzer unzuverlässig seien und ihre Waffen unzureichend aufbewahren, wohl wissend, daß diese Aussagen komplett falsch sind. Einfach nur um zu polemisieren, um eine negative Einstellung im Volk gegenüber Waffenbesitzern zu provozieren und zu produzieren. Medienhetze bester Art gegen eine Bevölkerungsminderheit, so mancher Schreiberling scheint ein gelehriger Schüler des Herrn Göbbels zu sein. Lesen Sie dazu auch hier die Ankündigung zur „Razzia“.

Fakten: Im Landkreis München (ca. 316.000 Einwohner) sind etwa 43.000 Waffen registriert. Eingetragen auf 10.709 Waffenbesitzer. Nur der Landkreis, nicht die Stadt München, das ist eine andere Baustelle. Diese 10.709 Waffenbesitzer waren (wie alle anderen in Deutschland auch) nach der jüngsten Gesetzesänderung per Bringschuld aufgefordert, die korrekte Aufbewahrung ihrer Waffen nachzuweisen. Ein Teil hat dies aus Unwissenheit sicher nicht getan. Dies veranlasste das LRA München zu dieser Aktion: Waffenaufbewahrungskontrolle. „Das Interesse der Kontrolleure galt vor allem Waffenbesitzern, die ihre Schusswaffen geerbt oder nach der großzügiger gefassten früheren Rechtslage erworben haben. Nach bisherigen Erfahrungen der Waffenbehörde des Landratsamtes München weisen diese Gruppen von Waffenbesitzern oftmals erhebliche Mängel bei der Aufbewahrung ihrer Schusswaffen auf.“

Das Ergebnis: 167 potentiell „sichere Kunden“ wurden zur Kontrolle herausgepickt. 82 wurden angetroffen und kontrolliert. „Hiervon verwahrten 73, also annähernd 90%, ihre Waffen nicht ordnungsgemäß„. Nun, 90% scheint sich besser anzuhören als die exakt 89,025% die das tatsächlich sind. Insofern ist der Bericht des LRA München sicher richtig, nur nicht das, was die Presse daraus macht.

Nehmen wir aber mal die korrekten Zahlen: Von 10.709 Waffenbesitzern waren 167 suspekt. Mehr nicht. Gehen wir nun zugunsten des Landratsamts von 90% Aufbewahrungsmängeln in dieser kompletten Gruppe aus, nicht nur von den 82 besuchten. Das wären dann 150 Waffenbesitzer, bei denen die Aufbewahrung zu bemängeln wäre. Rund 1,61%

Also: 90% der suspekten Waffenbesitzer machen nur 1,61% aller Waffenbesitzer aus. So wird ein Schuh daraus, nicht anders. Weshalb suggeriert man der Bevölkerung aber daß der allergrößte Teil der Waffenbesitzer Schlamper wären?

Wer sind aber diese sogenannten „Schlamper“? Nun, das Landratsamt München hat es eruiert: Es sind nicht die Sportschützen und Jäger! Es sind die Altbesitzer von vor 1972 und die Erben von Waffen. Diese machen mit 3.625 Personen einen Anteil von rund 33,85% der Waffenbesitzer des Landkreises aus. Nur 22 Waffen wurden bei der Kontrollaktion sofort beschlagnahmt, diese waren wohl auf 6 Waffenbesitzer verteilt. Und nur diese sechs hatten die Waffen an der Wand hängen, im Kleiderschrank, der Keksdose oder unter dem Bett versteckt, die anderen Beanstandungen bezogen sich auf Waffenschränke ohne gültige Klassifizierung oder Zusammenlagerung von Munition mit Waffen. Dies alles (auch die Waffen an der Wand!) war bis 2003 im übrigen erlaubt und zulässig, man hat von Seiten des Landratsamtes schlicht versäumt die Betroffenen auf die 2003 erfolgte Neuregelung bei der Waffenaufbewahrung hinzuweisen. Und nur so nebenbei: Passiert ist mit diesen so aufbewahrten Waffen seit 1972 nichts.

Hier ein Filmbericht des BR: „Tickende Zeitbomben“. Es wird der komplette Waffenbestand, mehrere hundert,  des LRA im Bild gezeigt, suggeriert daß es sich um Waffen aus der Kontrollaktion handelt. Wie verhält sich das mit der Zahl von tatsächlich nur 22 sofort eingezogenen und 27 freiwillig (ohne Muß!) abgegebenen Waffen? Weshalb muß eine Reportage so reisserisch unter Verfälschung der Tatsachen sein?

Landrätin Johanna Rumschöttel: „Die Schwerpunktaktion setzt ein deutliches Signal an alle Waffenbesitzer. Wir nehmen die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger im Landkreis ernst.“ Die Gruppe der Erben und Altbesitzer von Schusswaffen umfasst im Landkreis 3.625 Personen und damit rund 34% der 10.709 registrierten Schusswaffenbesitzer. Landrätin Johanna Rumschöttel: „Hochgerechnet befinden sich im Landkreis München über 8.800 nicht ordnungsgemäß gesicherte Schusswaffen. Da müssen wir unbedingt den Kontrolldruck aufrecht erhalten und nach Möglichkeit noch erhöhen.“

Aha. Und ein paar zusätzlich Stellen bei der Behörde zur Aufwertung des eigenen Dienstpostens schaffen. Warum ging man seit 2003 nicht her und hat die betroffenen, dem Amt bekannten, „Schlamper“ aufgefordert ihre Waffen zukünftig den Vorschriften entsprechend aufzubewahren? Man wußte bei den zuständigen Behörden schon lange, daß hier einiges im Argen liegt. Eben weil diese Gruppe von Waffenbesitzern keine Lobby hat, keine Pflicht-Verbandsmitglieder wie die Sportschützen und Jäger sind, welche schon automatisch über die neuen Vorschriften informiert wurden. Nein. Stattdessen läßt man diese Leute jetzt ins offene Messer laufen, mißbraucht sie für die Staatspropaganda gegen den legalen Waffenbesitz. Weil man als Behörde seiner Pflicht zur Information aus lauter „Schlamperei“ nicht nachgekommen ist. Das ist eine Schande. Auch deshalb, weil die etwa 80.000 illegalen Waffen, die bei etwa 25.000 illegalen Waffenbesitzern im Landkreis München vorhanden sind, überhaupt nicht kontrolliert werden (wollen).

Lesen Sie dazu auch: Stuttgart – Behörden produzieren illegale Waffen.

Sollte in Ihrem Bekanntenkreis, liebe Leser, ein oder mehrere Altbesitzer und/oder Erben von Waffen vorhanden sein, bitte ich Sie, lassen Sie denjenigen diese wichtige Information zukommen, damit auch wirklich alle legalen Waffenbesitzer über die Aufbewahrungsvorschriften informiert sind. Dies wäre zwar die Aufgabe der zuständigen Behörden, aber naja, wir wollen da mal nicht so sein, oder? 🙂

Michael Kuhn

 Posted by at 16:13

  2 Responses to “Rechenkünstler”

  1. Hier zum Vergleich die aktuellen Zahlen aus Niedersachsen vom April 2010 gemäß Innenminister Schünemann:

    3000 Kontrollen, 8 Strafverfahren.

    Dürfte so ungefähr 0,3 % sein.

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